Eppinger Musikfreunde begeistern. Vorstand Klaus Föringer verabschiedet.

Mit einem stilistisch weit gespannten Programm begeisterten das Orchester Eppinger Musikfreunde sein Publikum im voll besetzten Bürgerhaus Schwanensaal. Unter der Leitung von Dirigent Antoine Cottinet verbanden die Musikerinnen und Musiker barocke Klangpracht mit Musik des 20. Jahrhunderts und spannten damit einen Bogen über mehrere Jahrhunderte europäischer Musikgeschichte. Das Publikum erlebte einen Konzertabend, der durch stilistische Vielfalt ebenso überzeugte wie durch die spürbare Spielfreude des Ensembles.

Den Auftakt bildete Johann Sebastian Bachs Kantate „Weichet nur, betrübte Schatten“, ein Werk voller Leichtigkeit und Eleganz, das Sopranistin Luise de Calheiros-Veloso mit klarem, ausdrucksvollem Gesang gestaltete. Mit feinem Ausdruck in der Stimme ließ sie die heitere, pastorale Atmosphäre dieser Hochzeitskantate lebendig werden. Begleitet wurde sie nur von einem kleinen Teil des Orchesters, was dem Gesamtklang mehr Transparenz und Leichtigkeit verlieht.

Einen besonderen Akzent setzte das selten gespielte Oboenkonzert Nr. 1 d-Moll von Ludwig August Lebrun, bei dem Cottinet selbst als Solist überzeugte und das Orchester zusammen mit Konzertmeister Frank Martin Beck durch die Partitur leitete. Mit virtuoser Beweglichkeit und warmem Ton bezauberte er mit den klanglichen Möglichkeiten seines Instruments. Konzentriert begleitete das Orchester das elegante Wechselspiel zwischen Solostimme und Ensemble.

Mit Benjamin Brittens „Simple Symphony“ schlug das Programm nach der Pause eine Brücke in die Moderne mit viel Energie, Witz und lyrischen Momenten. Die vier Sätze, die auf Themen aus Brittens Jugendzeit zurückgehen, entfalteten ihre charakteristischen Kontraste zwischen tänzerischer Leichtigkeit, humorvollen Akzenten und innigen Klangfarben. Besonders beeindruckte der zweite Satz, der komplett ohne Bogen im Pizzicato gespielt wurde.

Den Abschluss bildete Vivaldis „Herbst“ aus den „Vier Jahreszeiten“, virtuos interpretiert von Jaleh Perego an der Solovioline. Unprätentiös, mit klarem Ton, technischer Präzision und lebendiger Gestaltung ließ sie die musikalischen Bilder der berühmten Jahreszeitenmusik eindrucksvoll vor den Augen des Publikums entstehen, von ausgelassener Erntefreude bis zu ruhigeren, poetischen Momenten, die auf die folgenden kalten Monate hindeuten.

In einem bewegenden Moment verabschiedete Konzertmeister Frank Martin Beck im Namen des Orchesters den scheidenden Vorstand Klaus Föringer. Seit der Gründung des Orchesters 1974 hatte er mehr als fünf Jahrzehnte lang den Vorsitz inne und prägte die Eppinger Musikfreunde maßgeblich. Mit großem Engagement hielt er das Ensemble zusammen, spielte selbst Bratsche, gewann Musikerinnen und Musiker, organisierte Konzerte und war stets Ansprechpartner. Für dieses außergewöhnliche ehrenamtliche Wirken und seine langjährige Verbundenheit mit Stadt und Verein dankten ihm Orchester und Publikum mit langem Applaus und einem großen Strauß bunter Rosen.